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Konfektionsgrößen sind keine Norm, sondern eine Behauptung

Maßband auf einem Zuschneidetisch mit Stoffbahnen
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Wer online Kleidung bestellt und dieselbe Größe von drei Marken nebeneinanderlegt, sieht das Problem sofort. Die Zahl auf dem Etikett ist kein Maß, sondern ein Versprechen, und jede Marke hält es anders. Das ist kein Versehen und auch kein Betrug, sondern eine Folge davon, wie Konfektionsgrößen entstanden sind.

Eine Zahl für mehrere Maße

Am Anfang steht eine Reihe von Umfängen: Brust, Taille, Hüfte, dazu Rückenlänge und Armlänge. Ein Schnitt braucht all diese Werte. Das Etikett bietet Platz für einen. Also legt jede Marke fest, welche Proportion sie als typisch annimmt, und leitet daraus ihre Größentabelle ab.

Diese Annahme unterscheidet sich zwangsläufig. Ein Haus, das sich an jüngere Kundinnen richtet, rechnet mit anderen Verhältnissen als eines, das klassische Schnitte anbietet. Beide sind in sich stimmig, und beide nennen das Ergebnis 38.

Vom Körpermaß zur Größe auf dem EtikettAuf diesem Weg gehen Informationen verloren, und zwar bei jeder Marke ananderer Stelle1MessenMehrere Umfänge amKörper, in Zentimetern2ZusammenfassenAus mehreren Maßen wirdeine einzige Zahl3PassformmodellDie Marke legtProportionen für ihreZielgruppe fest4EtikettAm Ende steht eine Zahlohne die Maße dahinterenamora.de
Wo die Information zwischen Körper und Etikett verloren geht

Wäsche ist der Sonderfall

Bei Wäsche kommt ein zweites System dazu: Unterbrustumfang und Körbchengröße werden getrennt angegeben. Das ist präziser als eine einzelne Zahl, führt aber zu einem verbreiteten Missverständnis. Die Körbchengröße ist keine absolute Angabe, sondern die Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang. Dieselbe Buchstabenangabe bedeutet bei einer anderen Unterbrustweite ein anderes Volumen.

Deshalb funktioniert die verbreitete Praxis nicht, bei schlechtem Sitz einfach eine Nummer weiterzugehen. Wer die Unterbrustweite ändert, verschiebt die Körbchengröße mit. Ein Rechner für die richtige BH-Größe nimmt diese Umrechnung ab und zeigt die sogenannten Schwestergrößen, also die Kombinationen mit gleichem Volumen bei anderer Weite.

Richtig messen

Drei Dinge entscheiden über brauchbare Werte. Das Maßband liegt waagerecht und liegt an, ohne einzuschnüren. Gemessen wird ohne dicke Kleidung, am besten am Morgen, weil der Umfang im Tagesverlauf schwankt. Und es braucht zwei Messungen an unterschiedlichen Tagen, denn ein einzelner Wert kann daneben liegen.

Wer diese Werte einmal notiert, kann sie in jede Größentabelle eintragen und muss nicht raten. Der Aufwand von zehn Minuten spart über Jahre eine erhebliche Zahl von Rücksendungen. Besonders nützlich sind die Werte beim Aufbau einer Capsule Wardrobe mit wenigen Teilen, in der jedes Stück sitzen muss.

Rücksendungen als Systemkosten

Im Versandhandel gehört das Bestellen mehrerer Größen längst zum Alltag. Aus Sicht der Kundin ist das vernünftig, denn die Größenangabe allein trägt die Entscheidung nicht. Aus Sicht des Handels entsteht daraus ein Aufwand, der am Ende in die Preise einfließt. Wie groß dieser Aufwand ist, untersucht die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg seit Jahren.

Einige Häuser reagieren mit besseren Daten: Sie nennen zu jedem Modell die tatsächlichen Maße des abgebildeten Stücks samt getragener Größe. Das ist die einzige Angabe, die sich direkt mit dem eigenen Maßband vergleichen lässt. Sie senkt die Rückläufer stärker als jede Umrechnungstabelle.

Was Größentabellen im Shop wert sind

Eine Tabelle, die Zentimeterwerte nennt, ist brauchbar. Eine, die nur Größen anderer Länder umrechnet, hilft nicht weiter, weil sie dieselbe Unschärfe nur übersetzt. Nützlich sind außerdem Angaben zum Schnitt: ob ein Modell eng anliegend, gerade oder weit ausfällt, und ob der Stoff Elastan enthält. Ein Anteil von wenigen Prozent verändert die tolerierte Spanne deutlich. Bei einem Sport-T-Shirt für Damen ist ein höherer Anteil üblich, bei klassischen Blusen oft gar keiner.

Wenn zwei Größen gleichzeitig passen

Manchmal liegen die Maße zwischen zwei Größen, und beide sitzen halbwegs. Dann entscheidet der Zweck: Für Kleidung, die über dem Körper liegt, ist die größere Variante bequemer. Für Stücke, die Halt geben sollen, ist die kleinere meist richtig, solange nichts einschneidet.

Ein zweiter Hinweis liegt im Material. Ein Gewebe ohne Elastan verzeiht nichts und sollte eher großzügig gewählt werden. Ein Stück mit hohem Elastananteil dehnt sich im Tragen aus und wird nach einigen Stunden spürbar weiter.

Häufige Fragen

Warum passt Größe 38 nicht bei jeder Marke?

Weil jede Marke selbst festlegt, welche Proportionen sie hinter dieser Zahl annimmt. Die Konfektionsgröße fasst mehrere Körpermaße zu einem Wert zusammen, und die Zuordnung ist nicht verbindlich geregelt.

Was bedeutet die Körbchengröße genau?

Sie bezeichnet die Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang, nicht ein absolutes Volumen. Bei anderer Unterbrustweite steht derselbe Buchstabe deshalb für eine andere Größe.

Wann sollte man neu messen?

Nach Gewichtsveränderungen, nach einer Schwangerschaft, nach längerem Krafttraining und grundsätzlich alle ein bis zwei Jahre. Die Werte verschieben sich langsam und unbemerkt.

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Melanie Weber
Melanie Weber, eine preisgekrönte Schriftstellerin und Journalistin, hat ihre Karriere stets von einer einzigartigen Leidenschaft für die literarische Welt geleitet. Geboren und aufgewachsen in München, Deutschland, hat sie sich von frühester Kindheit an in den facettenreichen Reichtum von Sprache und Text verliebt. Nach dem Abschluss eines Bachelor-Studiums der Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und einem Master-Studium in Kreativem Schreiben an der Universität Oxford, begann sie als freiberufliche Journalistin für diverse renommierte Magazine und Zeitungen, darunter Die Zeit und Der Spiegel. Ihre Artikel zeichnen sich durch tiefe Einblicke, scharfsinnige Analysen und ihr ausgeprägtes Gespür für menschliche Geschichten aus.